Als ich im Jahr 2014 nach Deutschland zurückkehrte, kam ich einfach nicht an. Die Jahre zuvor lebte und arbeitete ich in Ägypten. Hier schien fast immer die Sonne, ich hatte das Rote Meer vor der Tür und musste mich um keinen nervigen Papierkram kümmern. Man lebte in den Tag hinein und machte sich nur wenig Gedanken. So schön meine Zeit in Ägypten doch war – irgendwann wurde das Heimweh immer größer und der Alltag langweilte mich zunehmend, da man als junge Frau dort nicht allzu viele Möglichkeiten hatte. Ich war 24 und hatte Angst etwas zu verpassen. Verständlich, wenn man aus Berlin kommt – einer Stadt, in der man immer etwas erleben kann und Langweile nur selten aufkommt.

So entschied ich nach Deutschland zurückzukehren, weil ich mir dort eine bessere Zukunft mit meinem ägyptischen Freund (wir heirateten in Deutschland) erhoffte. Oft habe ich diese Entscheidung bitterlich bereut… Ich ging vor und ließ meinen Freund zurück in Ägypten. Im tiefsten Winter kam ich in Berlin an. Kurze dunkle Tage, ein grauer Himmel, Kälte und Schnee. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich „depressiv“ wurde. Ich kam einfach nicht in Berlin an. Mir war die Stadt so fremd geworden. Plötzlich musste ich mich wieder um den nervigen Papierkram kümmern, eine Wohnung suchen und einen Job finden, um meinen Eltern nicht auf der Tasche zu liegen, bei denen ich anfangs wohnte. Ich stand schon immer auf eigenen Beinen und wollte von niemanden abhängig sein.

Bei der Wohnungs- und und Jobsuche hatte ich viel Glück. So fand ich bereits zum nächsten Monat eine Anstellung im Hotel und eine schöne und bezahlbare Wohnung in Berlin-Mitte. Dort eingezogen füllte ich mich so allein. Mein Freund fehlte mir sehr. Ich war es nicht mehr gewöhnt, allein einzuschlafen und aufzuwachen. Zwei Monate später kam mein Freund für die Hochzeit für einige Wochen nach Berlin, bevor er zurückflog, um seine Firma aufzulösen.

Der Job im Hotel verlangte viel von mir ab. Ich arbeitete immer in der Spätschicht und verschlief dadurch den halben Tag, sodass ich kaum Kontakt zu meinen Freunden hatte. Nach 4 Monaten warf ich das Handtuch und entschied für mich, mir einen Job außerhalb der Tourismusbranche zu suchen – einen klassischen 9-to-5 Job von Montag bis Freitag. Schnell fand ich eine Anstellung als Assistentin der Geschäftsführung in einem Pharmaunternehmen. Die Arbeit machte mir viel Spaß, doch nach nicht mal einem Jahr verließ mein toller Chef das Unternehmen. Ohne ihn wollte ich auch nicht länger dort bleiben und ging zurück in die Tourismusbranche, diesmal jedoch zu einem Reiseschnäppchenportal. Mein Mann hatte endlich alles in Ägypten aufgelöst und zog zu mir nach Berlin. Auch er kam mitten im Winter nach Deutschland und hatte einen schwierigen Start.

Die nächsten Jahre verlangten viel von uns ab. Es war sprichwörtlich eine „Berg- und Talfahrt“ mit Höhen, aber deutlich mehr Tiefen. Oft gab es Momente, wo ich alles in Frage gestellt habe und alles hinschmeißen wollte. Meinem Mann ging es genauso. Was uns in dieser Zeit half, war die gelegentliche „Flucht aus dem Alltag“. Mein Mann war zuvor nur einmal mit mir in Berlin und hat davor sein geliebtes Heimatland Ägypten nie verlassen. Ich wollte das ändern und nahm mir vor, ihm die Welt zu zeigen. In den nächsten Jahren reisten wir gemeinsame in verschiedene Länder und erlebten viele schöne Momente. Manchmal bin ich auch ohne ihn verreist, stand aber im täglichen Kontakt mit ihm. Ich saß an der „Quelle“ und konnte Flüge zu Schnäppchenpreisen ergattern.

 

Rom – Paris – Polen – Athen – Barcelona – Mailand – Amsterdam – Dublin – Kopenhagen – Jordanien – Madrid – Uruguay – Argentinien – Brasilien – Mallorca – Bukarest – Podgorica – Peru – Bolivien – Dubai – Abu Dhabi – New York – Brüssel – Tel Aviv – Istanbul – Seychellen – Indien

 

Die Reisen halfen mir und meinem Mann abzuschalten und für einen Moment die „Alltagssorgen“ zu vergessen. Wir genossen die gemeinsame Zeit und die Erlebnisse. In diesen Momenten waren wir glücklich und wussten, dass es sich zu kämpfen lohnt. Immer, wenn wir wieder an den Punkt kamen, an denen wir nicht wussten, wie es weitergehen sollte, haben wir eine Reise gemacht – ein Tapetenwechsel.

Rauskommen, etwas anderes sehen und einfach mal entspannen. Im Urlaub kümmert sich endlich mal jemand anderes um die Alltagspflichten wie Kochen, Waschen und Putzen. Eine andere Umgebung, wo nicht alles im eigenen Verantwortungsbereich liegt. Das macht den Tapetenwechsel so heilsam. Ich empfehle dir, rechtzeitig die „Notbremse“ zu ziehen, denn Stress kann krank machen und ohne Stressbewältigung zu einem richtigen Burn-Out führen. Daher ist es so wichtig, rechtzeitig abzuschalten.

 

„Manchmal tut ein Tapetenwechsel einfach nur gut, auch wenn nur für kurze Zeit. Man sieht alles klarer, der Kopf wird freier und wir somit glücklicher.“

 

Nimm dir in regelmäßigen Abständen kleine oder auch große Auszeiten vom Alltag. Ohne diese Auszeiten wüsste ich nicht, wer ich heute wäre…

Alles Liebe

Katja